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dROH-Briefe - das letzte bisschen Original-ROHland

Dates - 18.03.05

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dAs iNtErViEw vOn "mUcKe UnD mEhR"


MUM: Liest man sich Eure Bio so durch, dann weiß man ja kaum, wo man anfangen soll mit Fragen. Habt Ihr Euch die pROHmi-Statements eigentlich alle selbst ausgedacht oder waren das die Jungs und Mädels von der Plattenfirma? Und, mal unter uns, könnt Ihr für sowas nicht in den Knast kommen (gute Promo)?

L: Das ist die bittere Wahrheit. Wir sind halt sehr beliebt. Das haben wir uns nicht selber ausgesucht. Außerdem würde ich's nicht riskieren, in den Knast zu kommen mit meiner Platzangst.

MUM: Was von den ganzen Sachen in Info stimmt denn? "Ich liebe dich" ist von Carsten Pape? "Du musst ein Schwein sein", "Wie ein Boom Boom Boom Boomerang", "Heut ist mein Tag" ... alles von Euch???

L: Ja, das stimmt auch. Wir sind schon seit langem als Maßschneider für andere Künstler unterwegs und können uns deshalb auch 'nen Bandbus leisten.

MUM: Hey, Ihr kotzt auf die Bühne? Dann ist die Bloodhound Gang nur ein billiges ROH-Plagiat?

L: Das ist nun auch endlich vorbei. Wir haben am Anfang ziemlich viel trinken müssen, um so Auftritte wie bei Stadtfesten ertragen zu können.

MUM: Was verbindet Euch eigentlich mit Blümchen?

L: Sie ist eine geniale Performerin, und der Produzent ist ein Meister seines Faches. Ich empfehle, einen Kopfhörer aufzusetzen, auf zehn zu dreh'n, und es kann dir ziemlich schwindelig werden. Eine unfassbare Energie mit der Konsequenz von AC/DC, und Lichtgeschwindigkeitssounds in alle Richtungen. Es ist gar nicht so tittig, wie es verurteilt wird.

MUM: Und wie alt seid Ihr eigentlich?

L: Ich bin 27, Meik 32, und Pape um die 40.

MUM: Zum neuen Album. Es sind ja viele ruhige Liebessongs zu hören ... wollt Ihr den Jungs von Echt die Groupies abjagen?

L: Es sind genug für alle da.

MUM: Welche Bands oder Acts hört Ihr privat am liebsten ... außer Blümchen?

L: Ich die Eels, Pape Oasis und Meik Neil Diamond.

MUM: Seht Ihr Euch als Boygroup oder wollt Ihr das nicht sein?

L: Natürlich sind wir eine Boygroup, denn wir haben keine Mädchen in unserer Band.

MUM: Was meinst du, werdet Ihr den endgültigen Durchbruch mit "ROHmantisch" schaffen?

L: Das ist sehr von den Medien abhängig und mit Glück verbunden. Erfolg ist nicht, erfolgreich zu sein, sondern glücklich zu sein.

MUM: Welches ist dein Favorit auf der Scheibe?

L: "Hälfte zuviel".

MUM: Meinst du, Deutschland hat bei der Fußball-EM eine Chance, etwas zu erreichen, oder interessierst du dich nicht für Sport bzw. Fußball?

L: Was ist denn eine Fußball-EM?

MUM: Wo seht Ihr Eure Weiterentwicklung im Vergleich zu den bisherigen Alben?

L: Wir haben mit einem Orchester gearbeitet, wir haben Titel mit Piano aufgenommen, und unser Sound ist dynamischer geworden.

MUM: Wie kommt es, dass man Euch beim Grand Prix-Vorentscheid sehen wird?

L: Lotto hat unsere letzte Tour finanziert, indem er jedem Zuschauer einen Zehner gegeben hat. Jetzt ist er pleite, und wir müssen ihm helfen, wieder auf die Beine zu kommen.

MUM: Was für Poster hängt Ihr Euch in den Tourbus?

L: Christina Aguilera.

MUM: Mit wem würdet Ihr am liebsten mal auf Tour gehen?

L: Christina Aguilera.

MUM: Spielt Ihr Festivals im Sommer, steht da schon was fest?

L: Die Tourdaten kann man auf unserer berühmten Website www.roh-land.de ergattern.

MUM: Meine typischer Abschluss: welche Frage wolltest du schon immer mal gestellt bekommen, und wie würde die Antwort lauten?

L: Die Antwort wäre: "Er ist nicht zu klein.".

MUM: Mucke & Mehr
L: Lukas Hilbert von Roh

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eurogay: Was ist romantisch, wenn die Presseinfo verrärt: "ROH live in Deutschland. Zerschlagene Bühnen, Magententleerungen auf der Bühne, Prügeleien, Krankenhausabtransporte"?
Pape: Na, wenn das nicht romantisch ist... (lacht)

Meik Dobbratz: Wir sind auch mal zu dritt vom Fünfer gesprungen, das war auch sehr romantisch.

Lukas: Es ist so eine Phase von mir gewesen. Ich habe eine zeitlang sehr viel Alkohol getrunken, und es war irgendwie so eine Befreiungsschlag von meiner ganzen Vergangenheit. Das wusste ich nicht besser auszuleben. In dieser Zeit ist ziemlich viel Chaos passiert. Das ist auch heute noch ansatzweise da. Aber nachdem ich eine Therapie gemacht habe ist es ein bisschen besser geworden.

Pape: Wir zerschlagen auch heute noch unsere Anlage. Das heißt nicht, dass ich meine Gitarre zerstöre oder Meik sein Schlagzeug abbrennt. Es hat aber - und darüber kann man sich streiten - eine gewisse Art von Romantik, wenn man von der Bühne geht und das Konzert ist vorbei, wenn man dann in den Raum reingeht, kaum noch jemand im Saal ist, deine Bühne wie ein Schlachtfeld aussieht und du mit deiner Band alleine bist. Das hat schon irgendetwas von Romantik, so komisch es klingen mag. Und diese Attitüde etwas zu zerstören oder kaputtzuschlagen sehe ich konform mit Lukas eher als Befreiungsschlag zu sagen "ihr könnt uns mal". Wenn wir Punk sind, dann sind wir richtig Punk.

Lukas: Wir haben die ganze Emotionspalette. Mir kann niemand erzählen, dass er nur lieb und brav ist. Jeder Mensch, der sich einigermaßen gehen lassen kann, der schlägt auch mal was kaputt oder schreit auch mal jemanden an. Die Leute haben nach außen immer einen Heiligenschein in dieser Gesellschaft und alles ist ganz brav. Dagegen bäumen wir uns eben ein wenig auf.

eurogay: Ihr habt unter anderem für Vicky Leandros, Die Prinzen, Udo Lindenberg und Blümchen geschrieben. Kann man denn zwischen den Musikstilen trennen?

Lukas: Es gibt eigentlich nicht verschiedene Musikstile. Ich schreibe ja alle Songs am Piano, da gibt es dann erstmal keine Techno-Beats drunter. Es gibt Sprach-Stile, bei denen muss man unterscheiden. Jeder Künstler hat seine eigene Sprachwelt.

eurogay: Aber die vier passen nicht wirklich zusammen.

Pape: Das ist doch alles Musik, oder?

Lukas: Mich hat mal jemand von VIVA gefragt, wie ich für Blümchen einen Song wie "Boomerang" schreiben und gleichzeitig Punkmusik machen könne. Daraufhin habe ich auf einer akustischen Gitarre das Lied vorgespielt und dann dabei die Gitarre zuerhauen. Und mir hätte jeder geglaubt, dass es ein Punksong ist.

Pape: Es ist einfach wirklich nur Musik.

Lukas: Jeden Song von Julio Iglesias kannst du in Techno oder in Schlager machen.

Pape: Ein guter Song ist ein guter Song. Wenn ihn Howard Carpendale singt, dann singt ihn eben Howard Carpendale. Das ist unsere Auffassung von Musik. Wir würden nie jemanden verurteilen, sei es nun Heino oder eine Death-Metal-Combo.

Lukas: Ich finde es wichtig, dass man immer einen gewissen Stil behält. Bei Vicky Leandros gibt es Leute die einen fragen, ob man das machen kann. Ich finde, dass sie damals extrem große Sachen gemacht hat wie "Ich liebe das Leben".

Pape: Schöne Songs einfach.

Lukas: Für mich ist sie ein Chansonnier, und keine billige Schlagertrulla. Und deswegen habe ich mich dieser Frau auch angenommen. Ansonsten hätte ich es nicht gemacht. Für Howard Carpendale würde ich nicht schreiben, bei allem Respekt, das würde ich wirklich nicht können.

Pape: Das könnte ich wiederum wahrscheinlich. Das teilt sich bei uns irgendwie. Dass wir bei Blümchen etwas zusammen gemacht haben, dass ist auch sehr Lukas' Verdienst. Ich habe immer gesagt, dass ich für Blümchen nicht schreiben kann, das ist gar nicht meine Welt. Dann hat Lukas einen Refrain von mir ausgegraben und gesagt, das passe wie die Faust auf's Auge. Und siehe da, es passte. Das macht einem auch Mut, so dass ich mich frage, warum ich nicht beispielsweise beim nächsten Oli P.-Album dabei sein sollte. Wenn man da ein wenig reintaucht, dann kann man vielleicht sogar für jeden schreiben. Ohne das alles wie eine Maschine zu sehen. Man muss sich schon in den Künstler einklinken. Sonst geht das nicht.

eurogay: Man muss den Künstler also schon ernst nehmen.

Pape: Auf jeden Fall. Sonst vergiss es gleich.
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iNtErViEw vOn "rEtRoSpEc"
Interview: Zum Videodreh zu "Du brennst immer noch in mir"

Das Video zu "Du brennst immer noch in mir" wurde ja an einem wirklich sehr ROHmantischen Ort gedreht. Es gibt dort steinerne Dinosaurier, einen japanischen Garten und auch gefährliche Würgeschlangen. Wo muss man hinfahren, um so etwas zu sehen??
Wir haben für einen Tag den Tierpark Hagenbeck in Hamburg gebucht. Das Schlangenhaus, die Steinfiguren, der Park- so muss eben ein Hamburger Tierpark aussehen! Eine sehr ergiebige Location.

Gibt´s dann zu der schönen Location die japanischen Fräuleins, die im Video zu sehen sind, als Gratis-Zugabe?
Neinnein. Für den Clip hatten wir einen recht schrägen Videokünstler am Start, der sich die Sache mit den asiatischen Damen und auch das übrige Drehbuch ausgedacht hat. Mein Beitrag zum Clip "Du brennst immer noch in mir" war nur die Idee, mit einer Schlange singen zu wollen. Für die asiatischen Damen war die Sache übrigens gar nicht so angenehm. Es war saukalt am Drehort und Aufwärmmöglichkeit gab´s leider keine. Folglich waren sie ziemlich übellaunig.

Wie singt es sich mit einer Schlange um den Hals ? War das Dein erster Reptilien-Kontakt? Nein, ich bin schon einmal auf einem Markt in Asien, wo man sich für 5 Mark eine Schlange um den Hals hängen konnte, mit dieser Spezies konfrontiert worden, aber beim Dreh wurde es trotzdem spannend. Der Tierpfleger im Schlangenhaus hatte mich beruhigt, die Python würde sich, bevor sie ausflippt, durch Zischen bemerkbar machen, aber er blieb trotzdem immer in meiner Nähe und hat sich regelmässig nach meinem Wohlbefinden erkundigt. Was zusätzlich zur Spannung beitrug und im Video nicht sichtbar ist, sind die anderen Schlangen. Insgesamt waren es sieben Stück und eine von ihnen häutete sich gerade, was laut Auskunft des Tierpflegers nicht gerade zuträglich für die Python-Stimmung ist.

Aber Bammel hattest Du keinen?
Nee, nicht wirklich. Wenn ich singe, kann mir nix passieren, da fühl´ich mich sicher.
Trotz Schlangen und miesepetriger Asiatinnen, scheint also im Tierpark alles klar gegangen zu sein.

Gab´s keinerlei Probleme?
Naja, am Tag vorher bin ich an jemanden geraten, der mir ein paar arge Kratzer zugefügt hat und wir mussten mit Make Up arbeiten, damit man meine "Verletzungen" nicht im Video zur Geltung kommen. Ich hoffe die Wunden resultieren aus einem Gefecht der Liebe und nicht aus gewalttätigen Auseinandersetzungen. Es war ein Gefecht der Liebe und des Hasses.

Lassen wir die rätselhafte Antwort einfach so stehen und kommen wir von Liebe und Hass zu Eurer "Pay To Play-Tour", die von Lotto King Karl gesponsort wurde. Ist Lotto jetzt, nachdem er jedem Konzertbesucher die Taxifahrt nach Hause spendierte, endlich pleite?
Das weiss man nicht so genau, auf jeden Fall hat er schon mal drum gebeten, auf seiner Sylvesterparty die Getränke selbst mitzubringen. Ausserdem werden wir im Februar zusammen einen Grand Prix-Song spielen, aber nicht freiwillig, er hat uns dazu gezwungen. Gegenleistung fürs Taxigeld. Eine Hand wäscht die andere.

ROH, Lotto King Karl und der Grand Prix? Hör ich richtig?
Ja. Lotto King Karl singt mit den Barnbeck Dream Boys und wir machen die Backingband bei der Grand Prix-Vorausscheidung.

Dann wünschen wir euch viel Glück, vielleicht tretet ihr die Gildo Horn-Nachfolge an. Das wär´ doch was!
[(Anmerk. d. Redaktion) Hat ja leider nicht geklappt, wie wir mittlerweile alle wissen. Stefan Raab fährt anstelle Lotto King Karls nach Stockholm.]

Noch eine Frage zur Gründung der Band Roh: Carsten Pape, Euer Gitarrist, spielte früher bei CLOWNS UND HELDEN, die "Ich liebe Dich" vor 13 Jahren zur Nummer Eins machten. Damals stand er allerdings vor dem Mikrophon. Wie kam es zur Umbesetzung und zur Neuauflage des Hits?
Eigentlich sind wir zusammengewürfelt worden wie eine Boygroup. Carsten hatte sich längere Zeit aufs Songsschreiben konzentriert und ohne Band gearbeitet. Sein Produzent suchte zwei Musiker für ihn, die seine Stücke interpretieren können. Dass daraus mit ROH eine Band entstehen würde, die sich so gut versteht, hätte niemand gedacht. Wir sind wirklich fette Freunde geworden, natürlich kommt man nach der dritten gemeinsamen Platte auch auf die Idee "Ich liebe Dich" neu einzuspielen, vor allem wenn die CD den Titel "ROHmantisch" trägt. Ausserdem macht es verdammt viel Spass, das Stück zu singen.

Und Carsten hatte kein Problem damit, den Platz am Mikro für Dich freizumachen? Überhaupt nicht. Er hatte ja mit seiner alten Combo alles erreicht, was er erreichen wollte. Weiter rauf, als bis zum Platz Eins der Charts geht´s nun mal nicht. Für uns ist "Ich liebe Dich" eher ein Spassprojekt, das wir sozusagen zu Ehren von Carsten und natürlich auf Wunsch unserer Fans noch einmal eingespielt haben

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Klasse, da krieg ich doch vor kurzem ein Päckchen zugeschickt, mit einer obskuren CD und zwei Postkarten mit religiösen Motiven. Die eine Karte zeigt ein Porträt unseres Herrn Jesus, komplett mit Heiligenschein und Dornenkrone, und er fragt: „Wie krieg´ich die Zeit bis zu meiner Beerdigung noch rum?". Auf der anderen Karte dagegen bittet der Erlöser mit salbungsvollem Blick, doch um Gottes willen nicht mehr „mit der Kelly Family verwechselt zu werden..." Neugierig geworden, klärt mich das beiliegende Presseinfo auf, daß es sich bei der Band um die Hamburger Newcomer „ROH" handelt, und bei „Ich möchte nicht mehr mit der Kelly Family verwechselt werden" um ihre schon im Januar veröffentlichte Debütsingle. Das Album „Wie krieg´ich die Zeit bis zu meiner Beerdigung noch rum" ist dieser Tage erschienen. Gründe über Gründe also, mir die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, die Herrn Lukas Hilbert (voc, b), Carsten Pape (voc, g) und Meik Dobbratz (dr) anläßlich ihrer ausgedehnten Konzert- und Promoreise hier in München zu treffen... sound.de: Wie kamt ihr eigentlich auf den Gedanken, eure erste Single „Ich möchte nicht mehr mit der Kelly Family verwechselt werden" zu nennen? So wie ihr ausseht, dürfte die Verwechslungsgefahr ja eher gering sein.... Lukas: Ich hatte früher tatsächlich lange Haare. Meine Mutter kleidet sich zu allem Überfluß auch noch ziemlich hippiemäßig, so daß sie dann jeder für Maite und mich für Paddy hielt. Da hab´ich mir ein echtes Trauma weggeholt... sound.de: Aber du hast kurze, knallrot gefärbte Haare! Lukas: Ja, jetzt. Um eben eine Verwechslung auszuschließen. sound. de: Das glaub´ich erst, wenn ich ein Foto von dir mit langen Haaren gesehen habe! Lukas: Die hab´ich alle vernichtet. Ich geb einfach nicht gerne Autogramme, die ganze Geschichte hat mich schon ziemlich belastet, so daß ich meine schmerzlichen Erfahrungen in diesem Song verarbeiten mußte... (Gerade als ich mich frage, ob ich da nicht doch nach Strich und Faden veralbert werden soll, schaltet sich Carsten ein.) Carsten: Doch, auf manchen alten Fotos kann man eine gewisse Ähnlichkeit nicht abstreiten... sound.de: Habt ihr irgendwelche Reaktionen von der Kelly Family über euren Song gekriegt? Die sind ja meist recht humorlos, wenn sie sich in irgendeiner Form angegriffen fühlen... Lukas: Das wäre doch albern. Wir haben ja auch gar nichts gegen die Kelly Family. Carsten: Ihre Plattenfirma hat sich schon bei uns gemeldet- aber da möchte ich jetzt wirklich keine Stellung dazu nehmen. Lukas: Ich denke, daß die Kelly Family schon Verständnis für meine Problematik hat... sound.de: Themawechsel. Den Text eures Songs „Sie hat sich ihre Schamhaare neongrün gefärbt" habt ihr angeblich aus der Leserbriefecke des Jugendmagazins BRAVO... Carsten: Ja, das ist tatsächlich so. Jeder hat doch als Kind heimlich oder offen die Dr. Sommer-Seiten gelesen, die BRAVO gibt es ja auch schon so lange. Einerseits fanden wir die Idee lustig, und haben uns gefragt, warum vor uns noch keine andere Band darauf gekommmen ist. Andererseits war es auch eine ganz schöne Herausforderung, den Text Wort für Wort zu dem Song runterzulesen. Gar nicht so einfach, kann ich dir sagen! Lukas: Es kam uns auch wirklich darauf an, dabei neue Ansätze in der Musik zu finden. In dem Text reimt sich kein einziges Wort. Und immer nur das alte Reimschema ist doch fade. Carsten: Zu unseren Konzerten kommen Kids von 12 bis 16 Jahren, bis hin zu „Erwachsenen" von über 25. Es ist interessant, die unterschiedlichen Reaktionen der Leute auf unsere Songs zu beobachten: Die „Erwachsenen" amüsieren sich köstlich, während es den Kids doch eher manchmal peinlich ist... Es sind eben Probleme, die sie tatsächlich belasten. Doch wir versuchen ohnehin nicht, eine festgelegte Zielgruppe mit unsere Musik zu erreichen. sound.de: Ach komm, ihr seid bei EastWest- nicht gerade ein Indielabel- da willst du mir nicht erzählen, daß marktstrategische Erwägungen völlig außen vor gelassen worden sind! Lukas: Doch, im Ernst. Es hat zwar ein bißchen Überzeugungsarbeit gekostet... Doch für mich ist es ohnehin völliger Schwachsinn, mit Musik auf eine bestimmte Personengruppe als Käufer zielen zu wollen. Das machen schon so viele Bands und Projekte, und du mußt bloß mal in die Charts schauen, um festzustellen, was dabei rauskommt! Carsten: Um an das ganz große Geld zu kommen, müßten wir sowieso ganz andere Musik machen. `Ne Boyband vielleicht. Lukas: Wir wollen eigentlich nur unseren Spaß haben, ein bißchen touren, und so Stück für Stück an unserem Erfolg basteln.. (Und fragt mich jetzt bitte nicht, wie oft ich den Spruch schon bei Interviews gehört habe!!!!) sound.de: Wart ihr vor ROH schon in anderen Bands tätig? Meik: Ja, ich war mal bei den Rubbermaids. Carsten: Lukas hat schon mit Udo Lindenberg zusammengearbeitet, und ich habe bei „Clowns und Helden" gesungen... Wir haben uns alle bei einem Konzert kennengelernt, und mittlerweile sind wir drei richtig gute Freunde... (Wenn ich´s recht überlege, wurde so was nicht auch von TIC TAC TOE behauptet?!) sound.de: Aber ihr seid jetzt mit ROH so richtig glücklich?! Carsten: Aber sicher. Wir sind in nächster Zeit ziemlich viel unterwegs und stellen unser Album vor. Natürlich freuen wir uns, wenn wir eine Menge CD´s verkaufen- aber hauptsächlich kommt es uns auf den Spaß an. (Na, in diesem Sinne- danke für das ausgesprochen nette Interview... Und was immer man sonst über ROH sagen kann, fest steht, daß sie einen äußerst unterhaltsamen Sound machen, der trotzdem genauer betrachtet gar nicht so ohne Tiefgang ist... Antesten lohnt auf alle Fälle!)

26.06.1997

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Die Welt ist verrückt und schlecht. Um als aufstrebende Band aufzufallen, muss man also entweder auch verrückt oder zumindest schlecht sein. ROH versuchen, beides unter einen Hut zu bringen. Ende November tourte die Band im Rahmen einer Pay-to-Play-Tournee durch Deutschland und zahlte jedem, der sich ihre Musik freiwillig anhörte, zehn Mark bar auf die Kralle (eurogay berichtete). Wir wollten wissen, was dahintersteckt, und haben uns mit den Jungs zum Talk getroffen.
eurogay: 10 Mark für jeden, der ins Konzert kam - ist eure Musik denn so schlecht, dass man den Leuten Geld fürs Kommen zahlen muss?
Lukas Hilbert: Wir wundern uns auch, dass wir eine Plattenfirma gekriegt haben. Nein, das ist reines Understatement. Wir bedanken uns bei unseren Fans. Wir haben 170 Auftritte gehabt, und ziehen nach drei Jahren jetzt mal ein Fazit, feiern die D-Mark und die Fans. Es ist Fakt, dass eine CD 34 Mark kostet, das ist zum Kotzen, das ist alles sowas von teuer. Und die ganzen Plattenfirmen scheißen sich alle in die Hose von wegen Internet und so. Wir sagen: Leute, nehmt das alles nicht so wichtig, es ist nur Musik, lasst uns mal eine ordentliche Party machen.
Carsten Pape: Die Idee kam daher, dass man normalerweise als Vorband bei größeren bekannteren Bands pro Auftritt einfach 10.000 Mark auf den Tisch legen muss, damit man überhaupt spielen darf. Und da können wir dieses Geld auch gleich dem Publikum geben. Wobei ich sagen muss, dass wir es ohne Loddo King Karl nicht hätten durchführen können. Loddo hatte halt die Kohle. Wir hatten nur die Idee, die also am Anfang nicht so ganz langte. Aber als Lotto dann mit eingestiegen ist...
Lukas: ...Loddo ist der größte Fan von uns. Wir wissen gar nicht, wie wir uns bei ihm bedanken können.
eurogay: Wie sind die vier Pay-to-Play-Konzerte denn gelaufen?
Pape: Großartig. Uns wurde vor der Tour gesagt, dass da Leute kämen, die sich ihre 10 Mark abholen, dann rausgehen und achtmal rein reinkommen. Ich muss fast sagen, ich habe diese Befürchtung auch manchmal gehabt. Aber es ist doch eine zu spießige Einstellung. Da muss ich wirklich das Wort "spießig" verwenden, weil man immer das Schlechteste vermutet.
Lukas: Die Leute haben uns total abgefeiert.
Pape: Es wurde mit einem riesen Respekt aufgenommen, dass wir Geld verteilen. Niemand hat sich gekauft gefühlt. Es war einfach schön und angenehm. Wenn man im Marketing-Gedanken spricht: Wenn mein Lebensmittelverkäufer zu mir sagt "Zehn Mark, wenn da 400 Leute kommen, dann sind das ja 4000 Mark, oh Gott oh Gott, wo nehmt ihr denn das Geld her" - dann muss man aber auch sagen "d'accord, dafür waren wir heute soo groß in der Morgenpost drin. Stell' dir mal vor, wir würden so eine Anzeige schalten, das könnten wir ja gar nicht mehr bezahlen". Das waren aber nicht unsere Gedanken, darauf wurden wir von der Plattenfirma aufmerksam gemacht, nachdem jetzt wirklich sehr viele Fernsehsendungen, Zeitungen und das Radio darüber berichtet haben.
eurogay: Wie würdet ihr euren aktuellen Musikstil bezeichnen?
Pape: Ich würde es mal als Popmusik bezeichnen...
Lukas: ...mit einer Rigorositäts-Attitüde, die schon ein paar Punkanleihen hat. Was bei uns Punk ist, ist diese Grobheit, die wir tatsächlich drauf haben.
Pape: Unseren Stil ansonsten finde ich einfach nur roh. Wenn wir zum Beispiel Balladen machen, dann klingt es immer noch nach unserer Band. Nicht, dass man plötzlich denkt "huch, was haben die denn da gemacht?" Du hörst schon, dass wir drei das sind. Und wenn dann ein Orchester dazu spielt, dann ist das legitim. Uns war sehr wichtig, dass etwas passiert, dass wir nicht dreimal das gleiche Album machen.
Lukas: Du fängst an als Garagenband und kannst nur drei Akkorde schraddeln, dann kannst du irgendwann Piano spielen und Streicher zu arrangieren. Man entwickelt sich weiter, und dann setzt man das einfach auch ein.
eurogay: In der Presseinfo stand drin, dass ihr mit "Spaßpunk" angefangen habt. Jetzt Pop - vom Punk zum Pop zur Popularität?
Pape: Der Schritt ist ja gar nicht soweit. Das kommt auf die Auffassung von Punk an. Punk ist für mich nicht unbedingt an der Straße zu stehen und dich um eine Mark anzuhauen. Campino wird für mich zum Beispiel immer einer der größten Punks bleiben, auch wenn er mit einem Rolls-Royce vorfährt, das ist einfach seine Attitüde und seine Auffassung der Dinge. Was wir machen. ist Energie. Da darf man dann auch mal romantisch sein.
Lukas: Es ist auch so, dass wir aus jeder Situation Songs schreiben. Wir stricken die Songs nicht zusammen, wir schreiben sie aus dem Leben. Da gibt es halt mal romantische Gefühle, mal gibt's lustige Gefühle, weil wir auch viel Spaß zusammen haben, echt ein komischer Haufen sind, manchmal. Meistens eigentlich. Wenn aber jemand verlassen wird oder verlässt oder jemand gestorben ist, was auch schon alles vorkam, dann kommt auch die ganze Tiefe mit ins Programm.
eurogay: Der Band-Name ROH, was bedeutet der?
Lukas: Nicht ganz dicht, nicht ganz gar.
eurogay: Euer Ende Februar 2000 erscheinendes Album heißt "ROHmantisch". Seid ihr das?
Pape: Wir sind jeder auf unsere Weise romantisch, ja. Wir haben uns darüber unterhalten...
Lukas: ...unsere Freundschaft ist ziemlich romantisch. Das empfinde ich als etwas ziemlich tiefes, weil Beziehungen kommen und gehen, und was wir laufen haben ist wirklich eine ganz intensive Freundschaft. Das ist für mich absolut romantisch. Für mich ist auch eine Freundschaft zwischen Hund und Herrchen romantisch
©   Lizy Darko© ·     Februar 2003 - 2008     ·      myspace.com/ROHmantik